Reutlingen/Hannover. Bundesweites Presseecho hat die besondere Fotoschau „Wunden der Welt“, die nach der Premierenschau in Reutlingen jetzt vier Wochen lang im Design Center der Hochschule Hannover zu sehen ist. Es sind Bilder der berühmten Agentur Magnum Photos, die 1947 von Robert Capa, George Rodger, David Seymour und Henri Cartier-Bresson in Paris gegründet wurde. Entwickelt wurde das Ausstellungskonzept von Absolventen der
Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl an der VHS Reutlingen, die auch die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte der Fotos recherchierten. In seiner Einführung erläuterte VHS-Geschäftsführer Dr. Ulrich Bausch die Entstehung dieser Ausstellung und stellte klar: „Gute Recherche und guter Fotojournalismus werden heute noch immer von vielen - nicht nur von Militärs - als Bedrohung betrachtet. Wie unglaublich wichtig und wertvoll aber unabhängiger Journalismus ist, das zeigt diese Ausstellung.“
Die 53 Bilder der Magnum-Fotografen vom spanischen Bürgerkrieg bis zur ägyptischen Revolution fangen das Grauen des Krieges ein: Da ist zum Beispiel Robert Capas berühmtes Bild eines sterbenden Soldaten aus dem Spanischen Bürgerkrieg 1936. Philip Jones Griffiths fotografierte 1973 in Nordirland auch einen Soldaten. Dessen verschwommenes Gesicht hinter einem zerkratzten Plexiglas-Schutzschild zeigt weitere Facetten des Krieges: die Einsamkeit, den Verlust von Würde, die Entmenschlichung.
„Magnum hat Weltgeltung. Die Agentur ist dafür berühmt, dass sie immer schon den Anspruch hatte, humanistische Ideale durchzusetzen», sagte der hannoversche Fotografie-Professor Rolf Nobel bei der Eröffnung. „Es geht darum, den Menschen in Fotos zu erklären.“ Die Schau gibt Einblick in Kriege und Konflikte: Ob in Vietnam, Ruanda oder im Irak - stets sind die Magnum-Fotografen nah am Geschehen. Als Augenzeugen begleiten sie Umbrüche - die jüngsten Bilder der Schau stammen aus dem Arabischen Frühling.
Magnum-Fotos haben tausende Menschen bewegt und sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Nach Reutlingen ist Hannover die zweite Station der Wanderausstellung, die durch Europa tourt.