Lucija Micic, Leiterin des Programmbereichs „Gesund durchs Leben“ an der Volkshochschule Reutlingen (18.02.2025)
Redaktion: Lucija, du bist seit 1. Dezember die neue Leiterin des Fachbereichs „Gesund durchs Leben“ an der Volkshochschule Reutlingen (vhsrt). Wie kam es dazu?“
Nach dem Abitur mit ernährungswissenschaftlichem Profil habe ich einen Bachelor in Ernährungswissenschaften gemacht. Im Laufe der Zeit habe ich mich weitergebildet, gerade im Bereich Gesundheitspsychologie, um zu verstehen, warum jemand weiß, was gesund ist und dann doch nicht entsprechend handelt. Mit dem Wissen habe ich mich als Ernährungsberaterin selbständig gemacht. Ich mag die menschennahen Aspekte der Gesundheit, das selbständige und kreative Arbeiten. Als Leiterin des Gesundheitsbereichs der vshrt mache ich eigentlich das gleiche: Ich darf kreativ sein, gestalten und vor allem darf ich für Gesundheitsthemen sensibilisieren. Doch die vhsrt bietet eine viel breitere Spanne, einen viel größeren Wirkungskreis, um meine Leidenschaft an die Menschen zu bringen. Das ist großartig!
Zudem wollte eigentlich immer schon Lehrerin werden, zumindest wollte ich immer etwas machen, bei dem ich anderen etwas beibringe. Es ist also genau das, was ich immer schon machen wollte.
Redaktion: Wie hast Du Deinen neuen Fachbereich wahrgenommen? Was macht ihn aus?
Gesundheit gliedert sich nach der Definition der WHO in körperliche, psychische und soziale Bereiche. Und genau das macht die Volkshochschule Reutlingen vorbildhaft, indem hier vielfältige Kurse angeboten werden. Mit ihren Bewegungskursen, den Fachvorträgen und Kochkursen sowie der Zugänglichkeit zu und dem Miteinander in den Angeboten ist sie in jedem der drei Bereiche aktiv.
Redaktion: Gab es einen Schlüsselmoment in deiner Biografie, der deine Leidenschaft für Bildung und/oder Gesundheit besonders geprägt hat?
Ich habe schon früh in diesem Bereich Selbstwirksamkeit erfahren. Ich habe gesehen: Krass, ich kann ja selber was machen! Das ist es, was ich auch unglaublich gerne an die Menschen weitertrage: „Ihr habt’s auch in der Hand!“. Nicht alles, aber einen großen Teil.
Redaktion: Wir leben in einer Zeit der Transformation, vieles ist im Wandel. Welche Perspektiven siehst Du in Deinem Programmbereich?
Die Herausforderung liegt zum einem in der Verfügbarkeit von Fachkräften: Wir brauchen ausgebildete Dozenten, die bereit sind, die Kurse zu geben. Zum anderen würde ich den Gesundheitsbereich der vhsrt gerne „jünger“ machen, d.h. ich möchte, dass noch mehr jüngere Menschen an den Kursen teilnehmen. Vor allem durch die Sozialen Medien bin ich ein bisschen besorgt, in welche Richtung sich unsere Gesundheit entwickelt. Es geht leider viel ins Extreme. An dieser Stelle würde ich gerne inspirieren und zeigen: Es gibt noch andere Angebote als das Fitnessstudio und den Protein Shake. Wir haben da Kurse, die wirklich begeistern: Bewegung macht Spaß und gesunde Ernährung macht Spaß!
Redaktion: Wir nehmen dich als sehr dynamisch und hochmotiviert wahr. Was wirst Du in den nächsten Monaten anpacken?
Ich glaube, man wird nächstes Semester bemerken, dass ich mehr Ernährung ins Programm einbringen werde und den Fokus auf spezifische Krankheiten richte. Wir wissen alle, die Ärzte sind überlastet und gute Beratung braucht Zeit. Ich möchte den Menschen gerne die Gelegenheit bieten, sich selbst zu informieren über die Möglichkeiten, die neben der Therapie das Wohlbefinden unterstützen. Dazu werde ich bestimmte Krankheitsbilder in den Blick nehmen. Außerdem ist ein Abnehmkurs in Planung, der von der deutschen Gesellschaft für Ernährung konzipiert wurde und krankenkassenzertifiziert ist.
Redaktion: Auf welche Pfeiler stützt du dich bei deiner Arbeit?
Team, Kooperation und Fachwissen. Mein Team hier im Bildungszentrum Betzingen und die komplette Belegschaft der vhsrt kennt sich super aus und steht mir mit Rat und Tat zur Seite. Doch allein könnten wir die zahlreichen und vielfältigen Themen im Gesundheitsbereich nicht abdecken, deshalb sind Kooperationspartner wichtig. Hier ist vor allem die KVBW zu erwähnen, die Ärzte mit Fachwissen ins Haus bringt, oder die Verbraucherschutzzentrale, durch die wir Experten zu fachbezogenen Themen einladen können. Wir möchten die Menschen nach hohen Qualitätsstandards informieren, das gelingt uns dank hervorragender Kooperationspartner.
Redaktion: Gesundheit betrifft uns alle. Was möchtest du uns mitgeben?
Ich glaube in Sachen Gesundheit ist Selbstreflexion und Selbstanalyse das A und O. Und wenn es in Richtung Verhaltensänderung geht, dann hilft es immer, wenn man es zusammen macht. Zuhause, zum Beispiel, ist eine Ernährungsumstellung einfacher, wenn andere Familienmitglieder mitziehen. Von daher sind vhs-Kurse ideal, weil man nicht allein ist, um seine Ziele zu erreichen.